Digitale Kommissionierung

Pick-by-Light vs. Pick-by-Voice vs. Pick-by-Scan vs. Pick-by-Tablet: Welche Methode passt wann?

28. Oktober 2026

ekko Wissen
Picking Methoden im Vergleich

Wer die Kommissionierung digitalisieren will, steht zuerst vor der Methodenfrage: Licht, Sprache, Scanner, Display oder Datenbrille? Digitale Kommissioniermethoden können papierbasierte Prozesse bei Geschwindigkeit und Prozesssicherheit deutlich übertreffen. Die eine „beste“ Methode gibt es jedoch nicht. Entscheidend ist, welche Lösung zum jeweiligen Prozess passt. Dieser Vergleich zeigt, wie die fünf wichtigsten Methoden funktionieren, wo ihre Stärken und Grenzen liegen und welche Faktoren bei der Auswahl für unterschiedliche Kommissionierzonen zählen.

Was ist beleglose Kommissionierung? Beleglose (auch papierlose) Kommissionierung ersetzt die gedruckte Pickliste durch eine digitale Führung des Mitarbeitenden. Die verbreitetsten Methoden sind Pick-by-Light (Lichtsignale am Regalfach), Pick-by-Voice (Sprachdialog über Headset, auch „akustische Kommissionierung"), Pick-by-Scan (Handscanner/MDE), Pick-by-Tablet bzw. Pick-by-CMD (Display am Kommissionierwagen) und Pick-by-Vision (Datenbrille). Sie unterscheiden sich vor allem in Geschwindigkeit, Fehlerquote, Einarbeitungszeit und Kostenlogik.

Welche Kommissioniermethoden gibt es?

Die Papierliste – der klassische Ausgangspunkt

Pickliste ausdrucken, ablaufen, abhaken: Die Einstiegshürde ist gering, dafür entstehen zusätzliche manuelle Schritte beim Suchen, Vergleichen und Dokumentieren. Das kann Zeit kosten und Fehlgriffe begünstigen, die später Nacharbeit, Retouren oder Reklamationen verursachen. Digitale Methoden setzen genau an diesen Schwächen an, allerdings auf unterschiedlichen Wegen.

Pick-by-Light: das Licht führt

Leuchtanzeigen am Regalfach zeigen, wo und wie viel zu entnehmen ist; die Entnahme wird per Taste quittiert und in Echtzeit ans ERP oder Lagerverwaltungssystem gemeldet. Pick-by-Light spielt seine Stärke vor allem bei hoher Pickdichte auf kompakter Fläche aus. Beispielsweise in Kommissionierzonen, an Durchlaufregalen oder bei Montage- und Sequenzprozessen. Moderne kabellose Systeme lassen sich zudem ohne aufwendige Elektroinstallation an Bestandsregalen nachrüsten. Wie groß die Effekte sein können, haben wir im Beitrag über die Vorteile von Pick-by-Light aufgeschlüsselt.

Pick-by-Voice: die Stimme führt

Das System sagt Lagerplatz und Menge per Headset an, der Mitarbeitende bestätigt per Sprachbefehl – deshalb auch „akustische Kommissionierung“. Pick-by-Voice spielt seine Stärke vor allem dort aus, wo Mitarbeitende beide Hände benötigen oder größere Distanzen zurücklegen. Das eignet sich beispielsweise für weitläufige Lager sowie Kühl- und Tiefkühlbereiche. Bei sehr hoher Pickdichte auf engem Raum kann die sequenzielle Sprachführung dagegen mehr Zeit beanspruchen als ein unmittelbar sichtbares Signal am Lagerfach.

Pick-by-Scan: der Scanner führt

Ein Handscanner oder MDE-Gerät zeigt die Position an und verifiziert die Entnahme per Barcode-Scan. Die Ausstattung erfolgt je Person statt je Lagerfach und die Scan-Verifikation eignet sich besonders für Prozesse, in denen Chargen, Seriennummern oder Artikel eindeutig bestätigt werden müssen. Der zusätzliche Scanvorgang erzeugt allerdings bei jedem Pick einen weiteren Arbeitsschritt und das Gerät belegt in der Regel eine Hand. Bei sehr hohen Pickfrequenzen kann das gegenüber licht- oder displaygeführten Prozessen Zeit kosten.

Pick-by-Tablet / Pick-by-CMD: das Display führt

Ein Tablet oder fest montiertes Display am Kommissionierwagen (Cart-mounted Display) zeigt Auftragsliste, Mengen und bei Bedarf Zusatzinformationen wie Produktbilder oder Stücklisten. Das ist der flexible Mittelweg: wenig Hardware je Fach, schnelle Einarbeitung, gut für wechselnde Aufträge und Kleinserien. In Studien schneiden displaygeführte Methoden ähnlich schnell ab wie lichtgeführte. Sie verlagern die Information nur vom Regal auf den Wagen.

Pick-by-Vision: die Datenbrille führt

Eine Datenbrille blendet Weg- und Entnahmeinformationen direkt ins Sichtfeld ein. Im untersuchten Testaufbau der weiter unten beschriebenen Studie gehörte diese Form der Führung zu den schnellen digitalen Verfahren. In der Praxis müssen bei Pick-by-Vision jedoch zusätzliche Faktoren wie Anschaffungskosten, Tragekomfort, technische Rahmenbedingungen und Akzeptanz über ganze Schichten berücksichtigt werden. Dadurch eignet sich die Methode insbesondere für Anwendungen, in denen die visuelle Führung im Sichtfeld einen konkreten Prozessvorteil bietet.

Pick-by-Light oder Pick-by-Voice: Was ist der Unterschied?

Die Kurzantwort: Pick-by-Light zeigt Entnahmen über Leuchtanzeigen direkt am Regalfach an, Pick-by-Voice führt per Sprachdialog über ein Headset. Welche Methode besser passt, entscheidet vor allem der Prozess. Bei hoher Pickdichte auf kompakter Fläche kann das unmittelbar sichtbare Lichtsignal seine Stärke ausspielen. Auf langen Laufwegen zählt dagegen, dass bei Voice Hände und Augen frei bleiben und die nächste Position bereits während des Weges angesagt werden kann. Auch die Einführung unterscheidet sich: Lichtgeführte Prozesse sind meist unmittelbar verständlich, während Voice die Mitarbeitenden an Sprachkommandos und Spracherkennung gewöhnen muss. In der Praxis lautet die Antwort deshalb häufig nicht „oder“, sondern „und“: je Zone die passende Methode (dazu weiter unten mehr).

Welche Kommissioniermethode ist die schnellste?

Eine pauschal schnellste Methode gibt es nicht. Wie schnell kommissioniert werden kann, hängt unter anderem von Laufwegen, Pickdichte, Artikelstruktur und Prozessaufbau ab.

Einen direkten Vergleich liefert eine Studie des Georgia Institute of Technology mit Ubimax. Untersucht wurden papierbasierte Kommissionierung, lichtgeführtes Picking, ein wagenmontiertes Display (CMD) und eine Datenbrille (HUD). Alle drei digitalen Verfahren reduzierten im untersuchten Test die benötigte Zeit gegenüber der Papierliste deutlich. Pick-by-Light sparte dabei rund ein Drittel der Zeit; CMD und HUD erzielten im Versuchsaufbau teilweise noch kürzere Zeiten.

Die Ergebnisse lassen sich allerdings nicht eins zu eins auf jedes Lager übertragen: Der Test lief an einem Einzelarbeitsplatz und bildet beispielsweise lange Laufwege oder komplexe Mehrbenutzerprozesse nicht ab. Die Grafik eignet sich deshalb vor allem dazu, den grundsätzlichen Effekt digitaler Führung gegenüber papierbasierten Prozessen zu zeigen und nicht dazu, eine universell schnellste Methode zu bestimmen.
Kriterium
Pick-by-Light
Pick-by-Voice
Pick-by-Scan
Pick-by-Tablet / CMD
Pick-by-Vision
Besonders effizient bei
hoher Pickdichte, kurzen Wegen
langen Laufwegen, freihändiger Arbeit
Verifikationspflicht
wechselnden Aufträgen, Zusatzinformationen
visueller Führung im Sichtfeld
Prozesssicherheit
hoch durch Fachanzeige und Quittierung
hoch bei zuverlässiger Sprachführung
hoch durch Scan-Verifikation
hoch bei klarer digitaler Führung
hoch bei klarer visueller Führung
Einarbeitung
in der Regel kurz
Gewöhnung an Kommandos und Spracherkennung
in der Regel kurz
in der Regel kurz
Gewöhnung an Datenbrille und Darstellung
Hände & Augen frei
Hände weitgehend frei
Hände und Augen frei
nein (Gerät in der Hand)
teilweise
Hände frei
Kostenlogik
Hardware je Lagerfach
Ausstattung je Person
Ausstattung je Person
Ausstattung je Wagen/Platz
Ausstattung je Person
Ideal für
hohe Pickdichte, Zonen, Sequenzbildung, Montage
lange Laufwege, Kühl-/Tiefkühllager
Wareneingang, geringe Frequenz, Chargen-/Serialnummern
wechselnde Aufträge mit Zusatzinfos
Anwendungen mit visueller Führung im Sichtfeld

Welche Methode passt zu welchem Einsatz?

Aus dem Vergleich lassen sich vier praktische Faustregeln ableiten:
  • Viele Picks auf kompakter Fläche (Kommissionierzone, Durchlaufregal, Sequenzbildung in der Montage): Pick-by-Light eignet sich besonders für hohe Pickfrequenzen, kurze Wege und wiederkehrende Prozesse. Die visuelle Führung direkt am Lagerfach reduziert Suchaufwand und ermöglicht eine schnelle Einarbeitung.
  • Lange Laufwege und freihändige Arbeit (weitläufige Lager, Kühl- und Tiefkühlbereiche): Pick-by-Voice kann seine Stärke ausspielen, weil Hände und Augen während der Führung frei bleiben.
  • Verifikationspflicht und geringere Pickfrequenz (Wareneingang, Chargen- und Serialnummern): Pick-by-Scan – die Scan-Bestätigung ist hier ein wichtiger Bestandteil der Prozesssicherheit.
  • Wechselnde Aufträge mit Zusatzinformationen (Kleinserien, Sonderaufträge, Kitting): Pick-by-Tablet/CMD kann Bilder, Stücklisten und weitere Informationen direkt am Wagen oder Arbeitsplatz bereitstellen.
Die beste Kommissioniermethode? Oft mehr als eine. Ein Lager besteht selten aus einem einzigen Prozess:

Schnelldreher liegen neben Langsamdrehern, standardisierte Picks neben Sonderaufträgen, kurze Wege neben weitläufigen Lagerbereichen. Entsprechend muss auch die optimale Kommissioniermethode nicht überall dieselbe sein. Statt eine Technologie über sämtliche Bereiche zulegen, kann es sinnvoller sein, die Führung an den jeweiligen Prozess anzupassen:
Pick-by-Light dort, wo viele Picks schnell und sicher erfolgen müssen; displaygeführtes Picking dort, wo Mitarbeitende zusätzliche Informationen benötigen. Auf einer hardwareunabhängigen Plattform wie ekko können unterschiedliche Prozesse im selben System abgebildet werden. Die Aufträge stammen aus demselben ERP oder WMS, Rückmeldungen laufen zentral zusammen, während jede Zone die für ihren Prozess passende Führung erhält.

Und die Kostenfrage? Die Kostenlogiken unterscheiden sich grundlegend (je Fach vs. je Person). Was die Systeme konkret kosten und wie sich die Investition rechnet, haben wir im Pick-by-Light-Kosten-Guide mit Rechenbeispiel aufgeschlüsselt.

HäufigeFragen zum Methodenvergleich

Was sind die Nachteile von Pick-by-Voice?

Pick-by-Voice erfordert die Gewöhnung an Sprachkommandos und Spracherkennung. Bei hoher Pickdichte auf engem Raum kann die sequenzielle Sprachführung zudem mehr Zeit beanspruchen als ein unmittelbar sichtbares Signal am Lagerfach. In lauten Umgebungen muss außerdem sichergestellt werden, dass die Spracherkennung unter den konkreten Bedingungen zuverlässig funktioniert.

Was ist Pick-by-Tablet?

Bei Pick-by-Tablet (auch Pick-by-CMD, Cart-mounted Display) führt ein Display am Kommissionierwagen oder Arbeitsplatz durch den Auftrag, inklusive Zusatzinformationen wie Bildern oder Stücklisten. Die Methode kommt mit wenig Hardware je Fach aus.

Was ist akustische Kommissionierung?

Ein anderer Begriff für Pick-by-Voice: Das System sagt Lagerplatz und Menge per Sprachausgabe an, der Mitarbeitende bestätigt per Sprachbefehl. Hände und Augen bleiben dabei frei.

Kann man Kommissioniermethoden kombinieren?

Ja. Unterschiedliche Lagerzonen haben häufig unterschiedliche Anforderungen. So kann beispielsweise Pick-by-Light in einer Zone mit hoher Pickdichte eingesetzt werden, während displaygeführtes Picking Sonderaufträge mit zusätzlichen Informationen unterstützt. Auf einer hardwareunabhängigen Plattform wie ekko lassen sich mehrere Methoden im selben System abbilden.

Welche Kommissioniermethode ist am günstigsten?

Das hängt vom Mengengerüst und vom Prozess ab. Scanner-Lösungen benötigen beispielsweise Hardware je Mitarbeitendem, Pick-by-Light dagegen Hardware je Lagerfach. Welche Methode wirtschaftlich am besten passt, lässt sich deshalb nicht allein am Anschaffungspreis beurteilen. Entscheidend sind unter anderem Pickfrequenz, Zeitersparnis, Fehlerkosten sowie laufende Kosten.

Sie sind unsicher, welche Methode zu Ihren Zonen passt? Wir schauen uns Ihre Prozesse an und empfehlen die passende Kombination, auch wenn die Antwort nicht überall Pick-by-Light heißt.
Sie möchten wissen, welche Kommissioniermethode für Ihre Prozesse am besten geeignet ist? Wir beraten Sie kostenlos und konkret.
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